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Rock / Heavy Metal 28.08.2026

Oxon Kils von Soko Linx über sein Lieblings-Bandshirt von der Antilopen Gang

Oxon Kils von Soko Linx über sein Lieblings-Bandshirt von der Antilopen Gang

Meine kleine Lieblingskapelle Soko Linx hat ab dem 7. August ihr drittes Album am Start. “Geil, Man” würde wohl einer unserer zahlreichen ehemaligen Schlagzeuger mit Nachdruck sagen. Und wie das so ist im Musikbusiness, gehört zu einem Album auch eine Promo-Phase, bei welcher man zu allerlei Schandtaten bereit ist. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich gerade befinde: Übermüdet nach einem langen Arbeitstag sitze ich um Mitternacht vor dem Bildschirm und versuche, mir einen Text über mein Lieblings-T-Shirt aus den Fingern zu saugen. Und in ein paar Stunden klingelt wieder der Wecker. Nicht geil, man! Aber genug der Jammerei.

Ich wollte das ja irgendwann mal genau so. Und es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel keine Texte schreiben zu dürfen. Oder einen Text über Musik schreiben zu “dürfen”. Das langweilt mich nämlich auf die Dauer und ist ermüdender als Lohnarbeit. Als ich allerdings die Möglichkeit bekam, über ein T-Shirt, das T-Shirt meines Lebens, zu schreiben, strahlten meine Augen.

Doch nun, liebe Leser:innen, sitze ich hier und muss euch direkt enttäuschen. Das eine Lieblingst‑T-Shirt gibt es nicht. Klar fiel mir zuerst das Shirt meiner Jugend ein, welches
ich tagein, tagaus trug, bis die auf der Vorderseite gedruckten Flammen nach und nach erloschen und man auch den doktorischen Bandnamen nicht mehr so recht erkannte. Als
Teenager hielt ich das Shirt für Rebellion und Punk, doch es war nur Baumwolle und etwas Farbe für 25 Mark. Und tragen würde ich es heutzutage auch nicht mehr. Zumindest nicht, ohne mir selbst peinlich zu sein.

Bliebe aber immerhin die Möglichkeit, mein aktuelles Lieblings-Shirt vorzustellen. Ein skelettierter weißer Wal auf schwarzer Baumwolle. Nur zehn Stück gibt es davon auf der Welt. So weit, so gut. Wäre da jedoch nicht die Sache mit dem Foto, welches neben diesem Text dargeboten wird. Denn auf dem Shirt ist nicht nur die aktuelle und formzustandsgetreue Variante von Timmy Hope (er hat sich das nicht ausgesucht!) zu sehen, sondern auch ein übergroßer Print unseres ehemaligen Labels. Ich musste nicht mal nachdenken, um festzustellen, dass das keine gute Idee ist und unsere derzeitigen Gönner von Fettfleck not amused wären. Ein Band-Shirt zu besprechen – das wäre doch was! Ich nehme einfach das THE BATES-Shirt. Doof nur, dass ich das nie besessen habe. Und mein selbst kreiertes Shirt ist zwar DIY, aber eben auch optisch genau das. Ebenso wie das letzte The-Shock-Shirt. Hab ich mir zwar beim Abschiedskonzert im SO36 gekauft, aber eher so aus Gründen. Das unverkennbare Logo-Shirt gibt es halt nirgendwo mehr zu kaufen. Bzw. nicht in meiner Größe. In meiner Größe gibt es sowieso nichts Passendes.

Letztes oder vorletztes Jahr erbarmte sich Claus Lüer, endlich mal wieder ein Shirt seiner zahlreichen Bands auf den Markt zu werfen und da schlug ich natürlich zu. Einmal XL von Chefdenker und einmal XL von Knochenfabrik geordert. Das erstgenannte Shirt lief jedoch unter dem Motto „XL für Ozempic-Freunde“ und das Knochenfabrik-Leibchen ist zwar zum Zelten ganz gut geeignet, als Allergiker sind mir Ausflüge ins Freie aber grundsätzlich suspekt. Und wenn ich gedanklich alle Shirts in meinem Schrank durchwühle, stelle ich mit Entsetzen fest, dass dieser Größen-Terrorismus nicht nur die Leibchen der Kölner Punkrock-Beletage betrifft.

Und so dauerte es nur etwas mehr als 500 Wörter, bis ich zu des Pudels Kern vorstieß (Goethe hat dafür 1323 Verse gebraucht, der Loser). Sagt mal, liebe Baumwollproduzent:innen: “Was stimmt eigentlich nicht mit euch?” Eine XL soll bitte immer so groß sein wie eine XL. Und eine L wie eine L und so weiter. Die Menschheit fliegt zum Mond, bekommt es aber nicht hin, Shirts immer formgleich zu produzieren? Wir analysieren unser Abwasser und stellen fest, dass Chemnitz Forever-Number-One-Crystal-Meth-Hauptstadt ist, aber das kriegt ihr nicht auf die Kette? Es werden Krankheiten ausgerottet, Autos fahren autonom, Schafe werden geklont und im Supermarkt liegen die allzeit gleich geformten Gurken und Bananen, aber Kleidung standardisiert herzustellen, daran scheitert es!? Ich könnte fast sauer werden.

Aber nützt ja alles nichts. Ich will mich nicht unnötig in Wallung bringen zu dieser späten Stunde. Denn Größe ist das Eine. Gesehen werden das Andere. Und wenn ich ein Shirt
trage, will ich die Reaktion meines Gegenübers sehen. Die Designer:innen und KI-Promtuierer dieser Zeit interessiert das alles freilich nicht. Da wird ein Logo oder dergleichen oben links oder rechts, je nach Betrachtungsweise, in die Ecke geklatscht und fertig ist die Vorderseite. Trägt man eine Jacke über dem Shirt, so präsentiert man sich als farbloser Monolith, dabei hat die Welt viel mehr Farbe zu bieten. Etwa Weiß. Damit wir uns hier gleich mal richtig verstehen: Auf ein Punkrock-Shirt gehören ausschließlich die Farben Schwarz und Weiß. Da braucht ihr gar nicht mit mir zu diskutieren. Exkurs beendet! Die Rückseite verziert dann irgendein Gewäsch, was ohnehin niemand liest. Mit Jacke auch gar nicht möglich.

Und wenn doch, so entzieht sich die Reaktion der eigenen Wahrnehmung. Punk ist nicht tot, Punk spielt jetzt Undercover-Polizei. Scheint alles verloren? Nein! Denn es gibt auch Musikanten in diesem Lande, die ihre Botschaften auf dem Shirt verkünden. In Schwarz-Weiß. Bei passender Form. Mit stabilen Botschaften. Nicht mehr viele, aber es gibt sie. Positiv hervorzuheben und damit in der Kategorie “Mein Lieblings-Shirt” gelandet sind die Antilopen Gang. Ein schlichter, eleganter Überzug, der sowohl hochzeits- als auch konzerttauglich zu tragen imstande ist. Zwar hätte ich mich noch viel lieber im ausgewaschenen Stinkefinger-Shirt von Danger Dan ablichten lassen, aber allein die Botschaft wäre unterwegs verloren gegangen und ich glaube, dass der Typ trotz neuem Album gar keine Promo nötig hat.

Der Beitrag Soko Linx erschien zuerst auf VISIONS.de.

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